Dienstag, 20. Dezember 2011

Die "Wurmlinger Kapelle" - vielbesungenes Kleinod bei Tübingen aus der Sicht von Nikolaus Lenau und Ludwig Uhland


Die "Wurmlinger Kapelle" - 
vielbesungenes Kleinod bei Tübingen

 
aus der Sicht 

von 
Nikolaus Lenau 
und 

Ludwig Uhland








Nikolaus Lenau:

Die Wurmlinger Kapelle


Luftig, wie ein leichter Kahn,
Auf des Hügels grüner Welle
Schwebt sie lächelnd himmelan,
Dort die friedliche Kapelle.


Rötlich kommt der Morgenschein
Und es kehrt der Abendschimmer
Treulich bei dem Bilde ein,
Doch die Menschen kommen nimmer.


Einst bei Sonnenuntergang
Schritt ich durch die öden Räume
Priesterwort und Festgesang
Säuselten um mich wie Träume.


Leise werd' ich hier umweht
Von geheimen frohen Schauern,
Gleich, als hätt' ein fromm Gebet
Sich verspätet in den Mauern.


Und Maria's schönes Bild
Schien vom Altar sich zu senken,
Schien in Trauer, heilig mild
Alter Tage zu gedenken.


Scheidend grüsset hell und klar
Noch die Sonn' in die Kapelle,
Und der Gräber stille Schar
Liegt so traulich vor der Schwelle.


Freundlich schmiegt des Herbstes Ruh
Sich an die verlass'nen Grüfte;
Dort dem fernen Süden zu
Wandern Vögel durch die Lüfte.


Und der Baum im Abendwind
Lässt sein Laub zu Boden wallen,
Wie ein schlafergriff'nes Kind
Lässt sein buntes Spielzeug fallen.


Alles schlummert, Alles schweigt,
Mancher Hügel ist versunken,
Und die Kreuze steh'n geneigt
Auf den Gräbern - schlafestrunken.


Hier ist all mein Erdenleid
Wie ein trüber Duft zerflossen;
Süsse Todesmüdigkeit
Hält die Seele hier umschlossen.





Lenaus Gedicht entstand im Jahr 1832 während Lenaus Aufenthalt in der Stuttgarter Region. Zusammen mit Gustav Schwab, seinem Entdecker und Förderer, besuchten die Dichter Ludwig Uhland in Tübingen, ferner Justinus Kerner in Weinsberg. Eine Wanderung nach Wurmlingen dürfte Lenau tief beeindruckt haben.



In der gleichen zuversichtlichen Stimmungslage noch vor der Amerika-Reise entstand Lenaus „Schilflieder“-Zyklus, große Naturlyrik in poetischer Auseinadersetzung mit Karl Maier aus Waiblingen ( von Heinrich Heine im „Schwabenspiegel“ verspottet), der auch die Wurmlinger Kapelle besungen hat.



Uhlands Fassung datiert Anno 1802.


Während meiner Studienzeit in Tübingen (1983) weilte ich gelegentlich auch an diesem schönen Ort -
ein "Locus amoenes" stiller Einkehr und Kontemplation.

Bekannte und weniger bekannte Dichter haben ihn besungen,
auch finden sich gute Dokumentionen im Internet.

Für die Fotos sei an dieser Stelle recht herzlich gedankt.


Werke von Carl Gibson: 
Soeben erschienen:

Carl Gibson: 

Plagiat als Methode - Herta Müllers „konkreative“ Carl Gibson-Rezeption


Wo beginnt das literarische Plagiat? Zur Instrumentalisierung des Dissidenten-Testimoniums „Symphonie der Freiheit“ – 

Selbst-Apologie mit kritischen Argumenten, Daten und Fakten zur Kommunismus-Aufarbeitung 

sowie mit  kommentierten Securitate-Dokumenten zum politischen Widerstand in Rumänien während der Ceaușescu-Diktatur.


Rezeption - Inspiration - Plagiat!?






Herausgegeben vom Institut zur Aufklärung und Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Europa, Bad Mergentheim. Seit dem 18. Juli auf dem Buchmarkt.
399 Seiten.


Publikationen des
Instituts zur Aufklärung und Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Europa,

Copyright © Carl Gibson 2019




Dienstag, 13. Dezember 2011

Schwäne an Flüssen und Seen - Bilder aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz, Motiv und Poesie, August Graf von Platen Tristan

Schwäne an Flüssen und Seen - Bilder aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz,  

Motiv und Poesie, August Graf von Platen Tristan

 

 

Schwäne an Flüssen und Seen - 


Bilder aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz






Königlich - der Schwan!

Anmut,
Grazie,
Schönheit!




Drei Schwäne
 im Rhein bei Breisach im Breisgau



Der Rhein bei Breisach von der französischen Seite aus betrachtet.



Schwan und Möwen.

Symbol und Faszination,
quer durch die Kulturen:





Schwäne und Möwe im Flug



Pralles Leben am Oberrhein


Schwäne am Mainufer in Miltenberg




Unter der Mainbrücke in Miltenberg



Ferne Verwandte - die nicht länger "hässlichen" Entlein am Rhein in Basel




Der Rhein und die Rheinbrücke in Basel





Schwan-Familie am Starnberger See


Am Starnberger See in Bayern



Das hässliche, junge Entlein mausert sich zum majestätischen Königsvogel Schwan.



Der Bodensee - ein Garten Eden für Schwäne und andere Wasservögel.



Am Bodensee bei Langenargen - Mensch und Kreatur in gegenseitiger Betrachtung.



Schwäne in Metz



Der Dom zu Metz ( Detail), Lothringen, Frankreich


Drei Schwäne in Metz



König Ludwigs Märchenschloss Linderhof


Schwäne im Märchenschlosshof



In memoriam König Ludwig II -

an der Stelle bei Berg am Starnberger See,
wo König Ludwig von Bayern vermutlich den Freitod wählte und ertrank,
erscheint ein Schwan am sturmdurchwühlten See.

Der Königsvogel senkt melancholisch sein Haupt, so als wollte er dem Lieblingsmonarchen der Bayern eine letzte Reverenz erweisen  - Empathie mit einem Schöngeist, der sein Leben der Ästhetik widmete.

Ob ein Schwanengesang erklang?

Die Schwäne stehen auch heute noch treu zum Schwanenritter.



Der Linderhof


Identifikation?
König Luwig II liebte Schwäne.
Auch die Mythologie dahinter.



Wer die Schönheit angeschaut mit Augen ...

Schöngeist Ludwig II, wusste, was er wollte:
unmittelbar erlebbare Schönheit in Kunst und Natur.
Kriege jedenfalls wollte der Erzromantiker keine.




Schwäne am Traunsee, Österreich




Schwan im See, in Hintergrund:
der Traunstein.



Karma-Bewusstsein - Mitleid und Mitleiden
mit der Mitschöpfung,
gesehen in Luzern, Schweiz.


August Graf von Platen

Tristan


Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ist dem Tode schon anheim gegeben,
Wird für keinen Dienst auf Erden taugen,
Und doch wird er vor dem Tode beben,
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen.


Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe,
Denn ein Thor nur kann auf Erden hoffen,
Zu genügen einem solchen Triebe.
Wen der Pfeil des Schönen je getroffen,
Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe!


Was er wünscht, das ist ihm nie geworden,
Und die Stunden, die das Leben spinnen,
Sind nur Mörder, die gemach ihn morden:
Was er will, das wird er nie gewinnen,
Was er wünscht, das ist ihm nie geworden.

Ach, er möchte wie ein Quell versiechen,
Jedem Hauch der Luft ein Gift entsaugen
Und den Tod aus jeder Blume riechen:
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ach, er möchte wie ein Quell versiechen!




Standbild des Schöngeistes August Graf von Platen in seiner Geburtsstadt Ansbach.




Sublimierte Schönheit und kaschierte Homoerotik verbindet Platen mit König Ludwig II.,
auch im Schwanen-Mythos,
der bereits in Parzival Wolfram von Eschenbachs vorkommt.


Standbild des Parzival-Dichters und Minnesängers
Wolfram von Eschenbach
in dem nach ihm benannten Ort
Wolframs Eschenbach 
unweit von Ansbach.  




Schwan bei der Reinigung



Schwan und Blässhuhn




Schwan im Breitenauer See



Schwan in seichten Gewässer



Schwan im Altmühlsee


In trauter Zweisamkeit


Martin Luther ( in Weißenburg) - der "Schwan"!

Im Protestantismus gilt Reformator Luther als Schwan -
nach einem ausspruch des Jan Hus kurz vor seiner Verbrennung in Konstanz am Bodenssee.



Harmonisches Gleiten im Altmühlsee

Das Bild des Schwans zieht sich durch Kunst und Kultur,
als Wappentier in der Heraldik,
als Bild, als Symbol, als Metapher,  
als Motiv in Literatur, Oper und Ballett
u. a.
Lohengrin von Richard Wagner

 "der sterbende Schwan" sowie als "Schwanengesang" vieler Tonsetzer in Klassik und Moderne.

Bei König Ludwig II. , der sich selbst als Schwanenritter empfand und darstellen ließ,
fließen einzelne Motive zu einer Einheit von sublimierter Anmut und Schönkeit zusammen.
  




  Fotos: Monika Nickel und Carl Gibson

Copyright: Carl Gibson

Werke von Carl Gibson: 
Soeben erschienen:

Carl Gibson: 

Plagiat als Methode - Herta Müllers „konkreative“ Carl Gibson-Rezeption


Wo beginnt das literarische Plagiat? Zur Instrumentalisierung des Dissidenten-Testimoniums „Symphonie der Freiheit“ – 

Selbst-Apologie mit kritischen Argumenten, Daten und Fakten zur Kommunismus-Aufarbeitung 

sowie mit  kommentierten Securitate-Dokumenten zum politischen Widerstand in Rumänien während der Ceaușescu-Diktatur.


Rezeption - Inspiration - Plagiat!?






Herausgegeben vom Institut zur Aufklärung und Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Europa, Bad Mergentheim. Seit dem 18. Juli auf dem Buchmarkt.
399 Seiten.


Publikationen des
Instituts zur Aufklärung und Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Europa,

Copyright © Carl Gibson 2019










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